Im Rahmen eines Sonderheftes zu Myanmar mit einem Schwerpunkt auf die Arbeit evangelischer Kirchen im Land im Kontext anhaltender Militärgewalt gegen die Zivilbevölkerung des Landes, habe ich einem Gespräch über meine Arbeit zu ethno-religiösen Minderheiten im Land zugestimmt.
Von Interesse war mein Verständnis religiöser Toleranz unter den Menschen unterschiedlicher Konfessionen, Muslime, Hindus und Christen, und wie sich ihr Leben angesichts des versuchten Putsches im Februar 2021 verändert hat. Auch darüber, was es braucht, um die Demokratisierung des Landes wieder zu ermöglichen, habe ich etwas gesagt: internationale Unterstützung und die Bestrafung der Täter.
Zuletzt ging es um mein Buch “Rethinking Community in Myanmar”, in dem ich das Konzept der “Wir-Formation” entwickle und dieses dem etablierten Begriff der “Gemeinschaft” gegenüberstelle. Während Gemeinschaft (community) sowohl in der Wissenschaft, der Politik, der Geschichte sowie im Alltagskontext meiner burmesischen interlocutors bekannt ist und Verwendung findet, wird mit ihm doch oft die Vorstellung einer korporierten Gruppe mit Mitgliedern verbunden. Vor allem Menschen, die die gleiche Religion oder die gleiche Ethnizität haben. Während dieses Konzept also wirkmächtig ist, so ist es dennoch eingeschränkt, denn Menschen haben — so mein Argument — immer die Möglichkeiten, die Grenzen ihrer ethno-religiösen Mitgliedschaft zu transzendieren und mit allen Menschen, unabhängig von Zugehörigkeiten jeder Art, in Ko-Existenz zu treten. Wir-Formationen verlaufen oft unterhalb der Bewusstseinsschwelle ab, sie sind jedoch beobachtbar, wenn man genau hinschaut. Anhand von Audio- und Videographie habe ich dies in ‘traditionellen’ religiösen Orten in Yangon, der ehemaligen Hauptstadt des Landes getan: in Tempeln, Moscheen und Kirchen, aber auch bei Prozessionen und in Alltagssituationen. Herausgekommen ist ein Ansatz, der existentialistische und ethnomethodologische Sichtweisen auf Mensch-Sein vereint und versucht, den Menschen in einer ganzheitlicheren Art und Weise zu präsentieren: wir sind immer mehr als nur Mitglieder von Gruppen, denen wir uns zurechnen oder in die wir eingerechnet werden! Das Argument, sowie meine Ethnographie aus Yangon kann als open access-Publikation in Gänze gelesen werden!
Der Sonderband Myanmar ist käuflich zu erwerben, den Ausschnitt mit meinem Gespräch stelle ich hier zur Verfügung.



